Alle Beiträge von Kai Nonnenmacher

Offene Gesellschaft bei Benjamin Constant

Vortrag

„Absorbés dans la jouissance de notre indépendance privée“: die Ambivalenz der offenen Gesellschaft bei Benjamin Constant

Vortrag bei der Tagung Imaginationen des Sozialen: narrative Verhandlungen zwischen Integration und Divergenz (1750–1945)

organisiert von Benjamin Loy, Simona Oberto und Paul Strohmaier, Teil des DFG-Netzwerks zum Thema „Paragesellschaften: parallele und alternative Sozialformationen in den Gegenwartskulturen und -literaturen“

12. bis 14. Dezember 2018, Universität zu Köln

Car, de ce que la liberté moderne diffère de la liberté antique, il s’ensuit qu’elle est aussi menacée d’un danger d’espèce différente.
Le danger de la liberté antique était qu’attentifs uniquement à s’assurer le partage du pouvoir social, les hommes ne fissent trop bon marché des droits et des jouissances individuelles.
Le danger de la liberté moderne, c’est qu’absorbés dans la jouissance de notre indépendance privée, et dans la poursuite de nos intérêts particuliers, nous ne renoncions trop facilement à notre droit de partage dans le pouvoir politique.

Benjamin Constant, De la liberté des anciens comparée à celle des modernes (1819).

 

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Promptus-Interview (durch J. Goldmann und R. Hesselbach)

Interview mit Prof. Dr. Kai Nonnenmacher

Julius Goldmann und Robert Hesselbach, „Interview mit Kai Nonnenmacher“, Promptus 4 (August 2018): 5–18.

[Druckfahne des Interviews, pdf]

Kai Nonnenmacher (*1970) studierte an den Universitäten Heidelberg und Mannheim Romanistik und Germanistik, Musikwissenschaften und Psychologie und promovierte in einem mediengeschichtlichen DFG-Projekt mit einer Arbeit über die Ästhetikgeschichte der Blindheit in Frankreich und Deutschland, welche unter dem Titel Das schwarze Licht der Moderne im Jahre 2006 bei Niemeyer erschienen ist. Er erlangte 2012 die Habilitation mit einer Arbeit über Katholizismus und Modernismus in Frankreich und Italien an der Universität Regensburg, wo er bis 2017 in Forschung und Lehre tätig war. Nach einer Lehrstuhlvertretung in Aachen wurde Kai Nonnenmacher 2018 auf die Professur für Romanische Kultur- und Literaturwissenschaft an die Otto-Friedrichs-Universität Bamberg berufen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten bzw. -gebieten gehören u. a. politisches Denken und literarische Form, Sinnesdiskurse und Ästhetikgeschichte, der französische und italienische Roman der Gegenwart, Lyrik, aber auch Mittelalter und Frühe Neuzeit. Daneben beschäftigt er sich praktisch mit der sich im Wandel befindlichen Publikationskultur der Wissenschaft und gründete die online frei zugängliche Fachzeitschrift Romanische Studien (http://www.romanischestudien.de), die in gedruckter Form bei der Akademischen Verlagsgemeinschaft München erscheint.

promptus: Wie bist Du zur Romanistik gekommen und welchen Beruf hättest Du alternativ ergriffen?

Kai Nonnenmacher: In Baden-Württemberg konnte ich bereits ab der 5. Klasse und bis zum Leistungskurs neun Jahre Französisch lernen. Ich habe dann aus verschiedenen Interessen heraus zunächst Germanistik, Musikwissenschaften und Psychologie studiert. Erst nach meinem Wechsel an die Universität Mannheim kam dann Französisch als Lehramtsfach hinzu. Eine Zeit lang habe ich mich auch noch als Germanist gesehen, wie man auch an meiner Doktorarbeit erkennen kann, allerdings interessiert mich als Forscher die Fremdheit einer Kultur mehr als die eigene. Mein Doktorvater Charles Grivel hat mir nahegelegt, mich in einen Magisterstudiengang umzuschreiben. Dies sei möglicherweise noch von Nutzen, sobald man einmal keine Stelle habe, würde einem sonst das Lehramt nahegelegt. Als Kind wollte ich lange Paläontologe werden, las alles über die Vorzeit, über Sedimente, ausgestorbene Tiere, und metaphorisch gesehen ist das Ausgraben historischer Schichten ja auch für die Romanistik zentral.

promptus: Wie beurteilst Du momentan den Stellenwert der Literaturwissenschaften in den Lehramtsstudiengängen?

Kai Nonnenmacher: Die Rubrik «Ars legendi» der Romanischen Studien reagiert ja darauf, dass sich die Fachwissenschaften und die pädagogische Ausbildung wieder stärker trennen, bedingt durch die Professionalisierung der Lehrerbildung und durch die Ersetzung einer Bildungs- durch eine Kompetenzidee. Dies kommt aber auch auf das Bundesland an: In Baden-Württemberg etwa ist die Lehrerbildung stärker auf Pädagogische Hochschulen und die Universität verteilt als in anderen Bundesländern. Dazu kommt, dass durch Lehramtszentren Fachwissenschaften und Didaktik in Stellenkonkurrenz treten, was im Moment vielleicht überraschend dazu führt, dass man Doppelprofessuren ausschreibt, die Literaturwissenschaft und Fachdidaktik zusammen abdecken sollen. Auf der einen Seite kann das innovativ sein. Auf der anderen Seite haben die Romanisten die Vertreibung der Literatur aus dem Fremdsprachenunterricht ja bereits verschlafen. Für die Lehramtsausbildung in der Romanistik sind wir im Moment in einer Zwischensituation, denn man muss fragen, wie lange dann noch LehramtskandidatInnen anspruchsvolle historische Dichtung bearbeiten sollen, die sie später in der Schule nicht behandeln können. Ich empfände es als Verlust für den Unterricht, wenn Literaturvermittlung damit aus dem Fremdsprachenunterricht verschwände. Andererseits kann man mit Recht fragen, warum der kulturwissenschaftliche Anteil der Ausbildung nicht längst erhöht wurde, in Bayern etwa ist da nur ein landeskundlicher Teil im Rahmen einer Sprachprüfung relevant.

promptus: Warum würdest Du SchulabgängerInnen ein Romanistikstudium empfehlen?

Kai Nonnenmacher: Es kommt darauf an, mit welchem Ziel diese Wahl getroffen wird, Lehramtsstudierende, Romanistennachwuchs und BewerberInnen für interdisziplinäre, praxisorientierte Studiengänge tummeln sich ja oft in derselben Lehrveranstaltung. Die curriculare Entwicklung zum literarisch und wissenschaftlich belesenen Menschen sollte durch wirkliches Interesse jenseits bloßer Modulzwänge erfolgen, denn dies sind später diejenigen, die der Gesellschaft als Ansprechpartner in diesem Bereich dienen können, soweit RomanistInnen noch öffentlich in Erscheinung treten, aber kann dies das Studium heute gewährleisten? Karriereberechnung im Sinne der employability kann sich schnell ändern, wer etwa nur ein sicheres Lehramt im öffentlichen Dienst anstrebte, musste in den letzten Jahren negative Bedarfsprognosen der Lehrerstellen und damit einen Einbruch der Studierendenzahlen erleben. An öffentlich sichtbaren Mittlerfiguren fehlt es der Romanistik gegenwärtig (man denke nur kürzlich an Frankreich als Gastland der Buchmesse), so wie übrigens das hochschulpolitische Ziel der Internationalisierung häufig ambivalente Folgen hat, als Umorientierung auf romanische oder amerikanische Wissenschaftssysteme. Jemandem, der ein Interesse an den Kulturräumen der Romania hat und den es reizt, in den öffentlichen Debatten um europäische Unterschiede Hintergründe zu verstehen, für ihr Land ein Korrespondent gegenüber Deutschland zu sein oder eine Arbeit in einem international agierenden Betrieb aufzunehmen, dem würde ich das Studium der Romanistik empfehlen, wenn man sich aber auch selbst mit Praktika, Auslandsaufenthalt oder eigener Lektüre aktiv engagiert, das ersetzt kein bloßes Füllen von Modulen. Die Universitäten selbst interessieren sich heute eher für interdisziplinäre Schnittstellen als für disziplinäre Strukturen eines Fachs, ähnlich der Forschungsförderung: Was im Fach anerkannt ist, muss es nicht im Präsidium oder in einem Exzellenznetzwerk sein. Aber in einer chronisch unterfinanzierten Universität braucht man eben Drittmittelanträge.

promptus: Inwieweit kann die Romanistik auf die Gesellschaft rückwirken und ihr von Nutzen sein?

Kai Nonnenmacher: Nehmen wir als Beispiel den déclinisme, so nennen die Franzosen ihre kulturelle Stagnations- und Niedergangsstimmung der letzten Jahre, bis Macron kam. Nachdem die Politikwissenschaft sich zunehmend in eine empirische und politikberatende Richtung entwickelt, halte ich eine kulturund literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Texten und Diskursen Frankreichs und Italiens für sehr fruchtbar. Die Untersuchung von Tendenzen, Frankreich quasi herabzusingen, wie es Schriftsteller wie Houellebecq oder Sachbuchautoren wie Onfray oder Zemmour tun, zeigt, dass hier andere Denktraditionen und -stile vorherrschen, die nicht eins zu eins auf Deutschland mit ähnlich erscheinenden Autoren wie Sarrazin zu übertragen sind, ähnliches gilt für die Unterschiede der Populisten der einzelnen Nationen. Die europäische Einigung lässt uns Ähnlichkeiten in den Blick nehmen und manchmal die Differenzen und ihre historischen Wurzeln übersehen, hier kann die Romanistik einiges leisten. Am Beispiel der Hochschulreform zeigt sich das ja ebenfalls, denn die nationale Bildungstradition der Humboldt-Universität war leider sehr viel weniger an den Bolognaprozess anschließbar als die akademische Tradition in anderen Ländern. Ich empfand in Mannheim und in Regensburg die interdisziplinären Studiengänge immer als organisatorisch hoch aufwändig und wenig nachwuchsbildend, aber es ist wichtig, Generalisten auszubilden, die für solche Differenzen sensibilisiert sind.

promptus: Inwieweit ist unser Fach Deiner Meinung und Erfahrung nach abhängig von der politischen Situation des Landes? Verliert beispielsweise die Italianistik durch die instabile Lage dort auch hierzulande an Gewicht?

Kai Nonnenmacher: Ein echter Bürgerkrieg würde im Gegenteil jahrzehntelang Drittmittelforschung generieren. Aber Spaß beiseite: Die Zahl der Italianistikstudierenden scheint mir recht konstant geblieben zu sein. Dennoch haben sich die Verhältnisse unter den drei großen romanischen Sprachen verschoben, und ich sehe nicht, dass der neue Optimismus Macrons sehr viele Neueinschreibungen im Französischen bewirken würde. Der Erfolgskurs der Hispanistik und dabei stark der Lateinamerikanistik hat ja auch nicht gerade mit einer boomenden Wirtschaft in Spanien oder Südamerika zu tun. Ich empfinde die Literaturgeschichte Italiens als ungleich reichhaltiger, um ehrlich zu sein, aber innerhalb der Fächer wechseln ja nach 1945 immer neu die Begründungen im Binnenverhältnis der Teilsprachen, man denke an die Rolle des Portugiesischen in der DDR-Romanistik, an eine Orientierung der deutschen Linken an Bewegungen in der Romania, auch am Italien der 70er und 80er Jahre. Eine spielerische italienische Subversion dieser Zeit und noch der Postmoderne ist gegenwärtig kaum sichtbar. Erst relativ spät hat man sich für eine Integration der Kulturwissenschaft in der Italianistik stark gemacht, wenn ich das an den Italianistentagen beobachte, inzwischen hat die Italianistik sich von ihrer Epochenwahl her stärker auf einen konservativen Kanon zurückgezogen, vielleicht auch weil Intellektuelle wie Eco, Pasolini oder Feltrinelli heute fehlen. Wo sind heute die Interpretationen der Gegenwartsliteraten und des starken Films aus Italien? Eine Stimmung wie die des Films Buena Vista Social Club hat für die Hispanistik ein Bild von weltoffener Zugänglichkeit bei Studierenden erzeugt, was die klassische Italianistik vielleicht nicht (mehr) in vergleichbarer Weise bietet, die starke Vormoderne Italiens liegt nicht mehr wie früher im Fokus der gegenwärtigen Universitäten, scheint mir. Auch in einigen aktuellen Forschungsbereichen blieben die Felder für Italien eher unbearbeitet: Der Kolonialismusdiskurs ist für Italien nicht wie für Lateinamerika vorhanden und ich kenne auch etwa keine weit verbreitete Genderforschung in der deutschen Italianistik der Frühen Neuzeit, wie sie in der internationalen Forschung existiert. Da hat das Fach gegenwärtig teilweise eine Art Rückzugsgeste von sich selbst aus vollzogen, übrigens gilt das nicht in dem Maße für die österreichische Italianistik, wo das Italienische sehr stark bleibt. Andererseits sehe ich im Moment italienischen Nachwuchs nach Deutschland streben, es scheint mir mit dem Generationenwechsel der ProfessorInnen ein Internationalisierungsschub in den Forschungskontakten einzusetzen, der allerdings die Vermittlerrolle einer auf Deutschland ausgerichteten Romanistik ja auch weiter schwächen könnte.

promptus: Die Tendenz, ältere und alte Sprachformen sowie Texte nicht mehr so zu berücksichtigen, wie es eigentlich traditionell der Fall war, ist deutlich spürbar. Macht diese Entwicklung das ursprünglich so gelobte und im Ausland geschätzte Herausstellungsmerkmal der deutschen Romanistik nicht zunichte?

Kai Nonnenmacher: Die französische Mediävistik beispielsweise kann nicht unmittelbar erschlossen werden, sondern Altfranzösisch muss erlernt werden. Durch den Rückbau der Mediävistik bildete man verstärkt interdisziplinäre Mittelalter- und Frühe Neuzeit-Zentren, aber während sich Mittelalter-Historiker und germanistische Mediävisten zu vollem Spezialistentum ausbilden dürfen, können Romanisten mit einer Breite vom 12. bis 21. Jahrhundert da natürlich nicht mithalten. Nehmen wir als Beispiel etwa den Lektürekanon des Bayerischen Staatsexamens: Hier fanden sich noch vor nicht allzu langer Zeit die gesamte Commedia, der gesamte Canzoniere und der gesamte Decamerone aufgeführt. Mittlerweile findet sich dort eine etwas pragmatischere Auswahl. Kann man ein solch volles Wissen noch von Romanistikstudierenden voraussetzen? Ich bezweifle das, denke aber auch, dass man mit einer zunehmenden Konzentration auf die Zeit seit dem 19. Jahrhundert bestimmte Kontinuitäten nicht mehr sehen wird. Man wird sich schwer tun, die italienische Lyrik des 20. Jahrhunderts eines Zanzotto zu erfassen, wenn man diese tiefe Kontinuität bis zur Scuola Siciliana ausblendet. Diese Linien dienen ja gerade in einem Land wie Italien, das erst sehr spät eine politische Einheit erhält, als ideelle Einheit.

promptus: Wie siehst Du die aktuelle Situation für den wissenschaftlichen Nachwuchs im Allgemeinen und für die Romanistik im Speziellen?

Kai Nonnenmacher: Ich erinnere mich noch an eine Zeit, in der publish or perish noch längst nicht die Devise der Massenproduktion von Texten mit wissenschaftlichem Anspruch war (man verbot es regelrecht, vor der Promotion zu publizieren), diese Entwicklung hat sich aber mittlerweile selbst ad absurdum geführt, und vielleicht wird ja Open Access und Digitalisierung der Überhitzung von Publikationsdruck abhelfen, gerade weil man jenseits der Materialität alles in großem Umfang publizieren könnte, wird die Qualität und die Tugend der brevitas wichtiger. Ein anderes Extrem stellt sich mir auf Verbandstagungen dar, auf denen Nachwuchs zu Nachwuchs spricht und die ProfessorInnen teilweise nicht mehr präsent sind, da sich die Masse der Tagungen und Sektionen zumal mit der Vielzahl von Fachverbänden erhöht hat. Da wäre vielleicht Verknappung eher dienlich. Initiativen wie das Forum Junge Romanistik befürworte ich sehr und habe dort selbst schon frühzeitig nicht nur Kontakte geknüpft, sondern auch Freundschaften geschlossen. Ich hatte mich damals beim Ausbau von romanistik.de so stark engagiert, weil ich der Meinung war, dass Dinge wie Stellenangebote oder das eigene Forschungsprofil möglichst offen kommuniziert werden müssten.

Für den Nachwuchs gelten jedoch relativ konservative Ratschläge von mir. Man sollte sich nicht allzu sehr um der Sichtbarkeit willen verzetteln in vielen Sammelband-Projekten, sondern lieber zwei, drei möglichst auch längere Aufsätze in Fachzeitschriften nicht nur zu den modischen Themen verfassen. Eher klassische oder auch originelle Zugänge sind durchaus von Vorteil. Ein österreichischer Kollege sprach mir gegenüber kürzlich vom «überhitzten deutschen System», das vom Nachwuchs ein permanentes Trampeln und Treten abverlange. Die Konkurrenz ist durch das massenhafte Generieren von Nachwuchs durch Graduiertenkollegs und SFBs gewachsen, und Kennzahlen- und Zielvereinbarungswesen der Universitäten setzen teilweise ProfessorInnen unter Druck, die Zahl der Promotionen weiter zu erhöhen. Ich habe übrigens in den letzten Jahren immer weniger verstanden, warum es Mentorinnenprogramme und Stipendienprogramme nur für Frauen in einem Fach gibt, das binnen kurzer Zeit zu einem Frauenfach geworden ist, was übrigens dem Fach durchaus gutgetan hat. Geschlechtergerechtigkeit beträfe aber je nach Fach auch den männlichen Nachwuchs.

promptus: Wie stehst Du zum Peer-Review-Verfahren?

Kai Nonnenmacher: Ich habe dieses Verfahren als sprödes, teilweise sogar vermintes Terrain erlebt, und es wird leicht zum Fetisch. Die Romanistik bleibt verglichen mit der internationalen Soziologie oder Geschichte ein eher kleines Fach, daher fragt man schnell die gleichen Personen als Reviewer an. Der wissenschaftliche Gewinn der kostenintensiven und teils durch die Beiträger zu bezahlenden Reviewpolitik bleibt oft gering. Hinzu kommt, dass sich die ExpertInnen im kleinen Kreise der Romanistik vermutlich sowieso erschließen können, von wem der Text stammt. Qualitätssicherung bleibt unerlässlich, aber Peer Review und bibliometrische Faktoren dienen nicht zuletzt ökonomischen Interessen großer Fachverlage, sie bedrohen die Geisteswissenschaften, wenn Universitäten ihre Mittelvergabe an fachfremde Kriterien der Forschungsberichte knüpfen, wir brauchen nun mal keine Großgeräte, sondern vor allem Bücher und Zeit.

promptus: Unser Fach ist offensichtlich in Bewegung, wie es auch von einer der ersten DRV Sommerschulen thematisiert wurde. Wie stehst Du zum Trend der einzelphilologischen Forschung? Wird das eventuell die Weiterentwicklung des Fachs beeinflussen?

Kai Nonnenmacher: In gewisser Weise ist die Konstruktion einer Gesamtromanistik über neolateinische Sprachen arbiträr bzw. romantisch. Viele Fächer, die ursprünglich als Teil der Philologien begonnen haben, haben sich später abgespaltet – wie beispielsweise die Volkskunde. Warum inkorporiert die Romanistik beispielsweise die Medienwissenschaft nicht? Wird es nun auch bloße French Studies oder Italian Studies geben? Umgekehrt sind häufig übergreifendere Perspektiven politisch gewünscht wie World Literature oder Kulturkonzepte wie Hybridität. Wir müssen uns fragen, ob wir wirklich zu einer Forschung wollen, die dann die Texte ähnlich wie in Amerika nicht einmal mehr in der Originalsprache liest. Es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass ein bis zwei LiteraturwissenschaftlerInnen für vier Sprachen dann durch je eine Person pro Sprache ersetzt würden, so gesehen ist die Romanistik ja stellensparsamer als die Einzelphilologie. Da wir gerade bei globalen Forschungsperspektiven sind: Am Beispiel der Kulturwissenschaft als ursprünglich antibürgerlicher Teildisziplin (etwa als Cultural Studies, gegen elitäre Autonomiebegriffe) müssen wir uns heute auch fragen, ob wir nicht inzwischen in einer universitären Gesinnungsblase forschen und ob wir uns der Welthaltigkeit unserer Konzepte wirklich noch sicher sein können. Während wir in den Seminaren kulturelle Vielfalt forciert haben, eine Kultur der Differenz, der Minderheit und der negativen Erinnerung, werden in Europa identitäre Ängste und Bedürfnisse populistisch befriedigt, die anders keine Resonanz mehr bekamen. In der Literaturwissenschaft wurde der Fokus darauf verlegt, die Stimmen der Unterdrückten gegenüber der privilegierten Stimme hörbar zu machen. Als (gar nicht mehr so neue) Erneuerungsbewegung des Fachs beschäftigen wir uns historisch nachvollziehbar mit Pluralität, Integration und Modernität – aber irgendwann wird wohl ein kühler Verfassungspatriotismus auch nicht mehr ausreichen, wenn an allen Ecken Europas die Nationalisierungsbestrebungen wieder aufblühen. Das macht mir gegenwärtig Sorgen. Wir haben fachspezifische Themen wie die Metapher zugunsten von Relevanz versprechender Themen aufgegeben, Folter, Kriege und Menschenrechte etwa. Paradoxerweise hat die Ausweitung der Kulturwissenschaften zu einer Entwertung der Landeswissenschaft geführt, sollen RomanistInnen aber nicht auch kompetent für die kulturellen Realitäten des Landes sein? Haben wir mit den Themen der Kulturtheorie noch ein bestimmtes Bild von dem im Blick, was ein Romanist wissen sollte? Letzten Endes hat die Umorientierung auf Kultur eine Umformulierung der Literaturwissenschaft und eine starke Theoretisierung bewirkt. Bei vielen unserer kulturwissenschaftlichen Veranstaltungen klafft eine gesellschaftlich anschließbare Relevanz und die Reputationskultur unseres Fachs wiederum auseinander. Ich würde mir wünschen, dass es einen Ort für solche Fragen gäbe, in den Mitgliederheften und auf den Mitgliederversammlungen der Fachverbände vermisse ich fachpolitische Debatten leider weitgehend.

promptus: Macht diese Vielfalt innerhalb der Romanistik das Vorankommen für NachwuchswissenschaftlerInnen dadurch Deiner Meinung nach schwieriger?

Kai Nonnenmacher: Zu Beginn unserer universitären Fachgeschichte gab es eine relative Übereinkunft, was man zu beherrschen und zu tun hatte, um Romanist zu sein. Inzwischen ist es eher eine Stilentscheidung (auch je nach Studienort), die nicht alle Wege offenhält. Ich glaube, man kann niemandem raten, gleichzeitig über Petrarca und Kinderliteratur zu arbeiten, da man sich in den jeweiligen Kreisen positionieren müsste, für die man eine gewisse wissenschaftssoziologische Sensibilität entwickeln sollte, wenn man eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen will. In Zeiten des Rückbaus von Stellen gilt das umso mehr.

promptus: Wie sollte sich Deiner Meinung nach die ideale Postdoc-Phase gestalten? Über eine Einbindung am Institut, Stipendien oder doch eher im Elfenbeinturm? Hast Du dazu Erfahrungen oder Ratschläge?

Kai Nonnenmacher: Die Postdoc-Phase ist ja genauso in Bewegung wie die Romanistik selbst. Die Rahmenbedingungen sind geprägt von an und für sich gut gemeinten Reformen, von denen leider oft nur die erschwerenden Regelungen übriggeblieben sind. Es ist im Prinzip ja eine gute Idee, eine Stelle mindestens so lange zu vergeben wie auch die Qualifikationsphase andauert. Es führt aber ebenso auch dazu, dass man gar niemanden einstellen kann, wenn man nur Geld für ein Jahr zur Verfügung hat. Die bekannte Zwölfjahresgrenze musste erst gelockert werden, etwa im Falle von Drittmitteln, davor war das quasi wie ein Berufsverbot. Die jetzt Habilitierten auf Stellensuche – und es gibt ihrer viele – fluchen über die neuen Ausschreibungen von W1-Professuren mit Tenure Track, denn darin werden Altersgrenzen genannt, die eine ganze Generation Habilitierter jetzt benachteiligt. Eigentlich müsste man jetzt doch ein Übergangsprogramm wie die früheren Fiebiger-Professuren schaffen für die jungen Habilitierten, die Wanka-Professuren sind ja nur ein sehr kleiner Tropfen.

promptus: Ist das Bildungssystem in gewisser Weise also als verantwortungslos zu bezeichnen, wenn es einen derartigen Fachkräfteüberschuss erzeugt? Brauchen wir eine neue Verantwortung an dieser Stelle?

Kai Nonnenmacher: Für die künftigen Post-Docs bedeutet der neue Karriereweg, wenn er wie propagiert kommt, eine große Verbesserung der Postdoc-Karriereplanbarkeit, deren Tenure-Evaluation wird in der Regel rational und sachbezogen verlaufen, was nicht für jedes Berufungsverfahren gelten dürfte. Für die Promotion und die Graduiertenschulen halte ich den Überschuss nicht für so problematisch. Eine Doktorarbeit schadet ganz sicher nicht, wenn man LehrerIn werden oder auf den außeruniversitären Berufsmarkt wechseln möchte. In Bezug auf die Studierendenauswahl sehe ich eher das Gegenteil einer Beschränkung, indem Eignungsfeststellungsprüfungen teils politisch erschwert werden oder gar nicht stattfinden. Ich war immer ein Verfechter für den zweiten Bildungsweg oder habe mich in Auswahlverfahren für Leute mit krummen Biographien eingesetzt. Man muss bei allen Auswahlverfahren aufmerksam dafür sein, dass solche Regelungen nicht eine Art Mainstream kreieren, der sehr uniform und austauschbar ist, sozusagen gehorsame Antragssteller. Die skizzierte Gesamtsituation schafft viel Existenzangst, die ich aktuell unter den sich Qualifizierenden wahrnehme. Während der Generation meines Doktor- und Habilvaters noch ging es auch um kritische Revision, politisches Engagement und um Experimentieren, wohingegen sich die gegenwärtige Generation mit einer immer weiter wachsenden Flut von Regelungen konfrontiert sieht, die sie zu erfüllen versucht. Diese Generation erfüllt dann vielleicht vorauseilend irgendwelche geglaubten Ansprüche. Ich rate eher dazu, etwas zu wagen, innovativ zu sein und nicht nur der Herde hinterherzulaufen.

promptus: In Bezug auf Open Access: Sollte man seine Dissertation einfach kostenlos auf einen Server der Hochschulen hochladen oder sollte man aus strategischen Gründen einen klassischen Verlag als Veröffentlichungsort wählen?

Kai Nonnenmacher: Die Frage ist hochaktuell, weil der Fachinformationsdienst der Romanistik plant, ein Fachrepositorium aufzubauen. Wir haben gerade im Rahmen der Beihefte zu den Romanischen Studien eine auf Spanisch geschriebene Habilitationsschrift zur Publikation angeboten bekommen, weil der Kollege so schnell die spanischsprachige Wissenschaftscommunity erreichen kann und keinerlei Druckkostenzuschuss bei uns zahlen muss. So wird schnell und hürdenlos eine Sichtbarkeit hergestellt, die mit einer teuren Printpublikation – die in Lateinamerika ja auch nicht angekauft werden würde – nicht so schnell erreicht werden würde. Gleichzeitig müssen aber auch diese Bände aufmerksam lektoriert werden, statt sie einfach so hochzuladen. Wenn es also darum geht, schnell zu publizieren, um beispielsweise den Titel zu bekommen oder weil es die Promotionsordnung so vorsieht, kann es sicherlich seine Berechtigung haben. Im Grunde geht es eigentlich um den Begriff der Reputationskultur, der im Wandel ist. Es geht eben um die Frage, wen ich mit meiner Publikation erreichen kann, z.B. was Rezensionen angeht. Darüber hinaus braucht man auch heute natürlich Instanzen, die für die Qualität eines Textes bürgen, z.B. den HerausgeberInnen einer Buchreihe. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ja auch Begleitendes heute publiziert werden kann, wie z.B. virtuelle Forschungsumgebungen oder sprachwissenschaftliche Datensätze, die zum publizierten Forschungsergebnis geführt haben. Daneben gibt es ja auch noch hybride Publikationsformen, etwa wie bei den Romanischen Studien, dass ein Verlag nicht das exklusive, sondern nur das einfache Nutzungsrecht erhält. Die großen und vorausschauenden Verlage besitzen auf alle Fälle eine Strategie in Bezug auf Open Access, der Verwertungszwang ist ja nicht in sich böse, sondern Wirtschaftsgrundlage. Von BibliothekarInnen höre ich, dass bei hybrid publizierten Werken in Zukunft Periodika und Sammelbände nur noch digital und nur reine Monographien auch als Druckwerk beschafft werden sollen. Als Buchliebhaber sehe ich das durchaus ambivalent.

promptus: Welche weiteren Vorbehalte gibt es denn gegen digitales Publizieren?

Kai Nonnenmacher: Ein Argument, das immer gebracht wird, ist sicherlich die Sorge, ob Digitales in Zukunft nicht verloren gehen könnte. In diesem Zusammenhang empfehle ich, sich einmal anzuschauen, wie schnell Bibliotheken Teile ihrer Printbestände aussortieren, die Pathosformel von 500 Jahren Buchdruck ist da ziemliche Fiktion. Die Idee der Nachhaltigkeit von digitalen Publikationen ist inzwischen längst gelöst, es gibt keine materiellen Träger mehr wie zu Zeiten von Microfiches und CDs. WissenschaftlerInnen haben freilich bei digitalen Periodika eine ungleich höhere Aufgabenliste, ohne finanziellen Ertrag der kommerziellen Verlage, das bleibt eine Herausforderung, aber es bedeutet im Idealfall auch eine große Freiheit von deren Zwängen und Konzentration auf innerwissenschaftliche Ziele.

promptus: In den Naturwissenschaften ist es gängige Praxis, auch kumulativ zu promovieren. Inzwischen gibt es diese Möglichkeit vereinzelt auch an geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Wie siehst du diesen Sachverhalt?

Kai Nonnenmacher: Für die Habilitation gibt es diese Möglichkeit ja bereits länger, und ich kenne exzellente ForscherInnen, die kumulativ habilitiert wurden. Mein Habilitationsvater hat abgelehnt, dass Dinge, die ich beim Habilitieren begleitend publiziert hatte, Teil der Habilitationsschrift würden, aber ich höre da inzwischen auch anderes aus dem Fach. Mir gefällt an der Idee der kumulativen Promotion zwar die Dynamik, mit der man der Forschungsgemeinschaft Ergebnisse zukommen lässt; allerdings arbeitet man in den Geisteswissenschaften oft auch als Einzige/r zu einem Thema, so dass es auf die Geschwindigkeit der Publikation – anders als beispielsweise in der Medizin oder anderen naturwissenschaftlichen Fächern – nicht hauptsächlich ankommt. Eine Promotion auf 300 Seiten anzulegen, das heißt ja auch, einen Text gut strukturiert zu planen, argumentativ aufzubauen und nicht Kapitelstückwerk zu addieren. Die Monographie ist eine Schule des Denkens, ihr Status ist ein grundsätzlich anderer als die erläuterte Versuchsreihe einer naturwissenschaftlichen Laborgruppe. Die Fähigkeit dazu muss umso mehr im Studium erlernt werden und zwar in den fachwissenschaftlichen Seminaren selbst statt in ausgelagerten Veranstaltungen zum wissenschaftlichen Arbeiten und Schreiben.

promptus: Wie siehst du in dem Zusammenhang den Einfluss der Digitalisierung? Wie verändern sich dadurch Methoden aber auch der Gegenstand unserer Forschung selbst?

Kai Nonnenmacher: Ich habe den Eindruck, dass auch hier die Forscherpraxis und die teils emotional geführten Diskussionen auseinanderklaffen. Ich habe bereits früh angefangen, z.B. Texte mit Texterkennung einzuscannen und so literarische Korpora zu erstellen. Auch Metadaten, die zur Erschließung von Texten helfen, sind beispielsweise sehr wertvoll, wie es z.B. die digitale Textsammlung Biblioteca Italiana handhabt. Vermutlich handelt es sich hierbei auch eher um einen symbolischen Streit, wie etwa bei der Einführung der CD oder der digitalen Fotografie. Solche ablehnenden Haltungen sind ja auch immer Teil eines Medienwandels. Der Bereich der Stilometrie lässt sich hier anführen, hierzu erscheint bald ein Beiheft der Romanischen Studien: Bestimmte Beziehungen, die man früher nicht erschließen konnte, lassen sich eben über Big Data und das sogenannte Distant Reading aufzeigen und beschreiben. Solange es aus dem Fach heraus gedacht ist, kann das sehr innovativ sein. Eine echte Verknüpfung wäre also ein Desiderat für die Zukunft. Abschließend will ich noch gestehen, dass ich selbst zerrissen bin zwischen denen, die den Verlust einer verfeinerten Buchkunst betrauern, und denen, die die kühle Pragmatik eines Datensatzes verfechten.

promptus: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Kai Nonnenmacher führten Julius Goldmann und Robert Hesselbach am 28. Juni 2018 in Bamberg.

 

Kulturellen Niedergang erzählen: Antrittsvorlesung, 4.12.2018

Kulturellen Niedergang erzählen: Geschichte und Zukunft des französischen Déclinisme von Montesquieu bis Macron

Antrittsvorlesung zur Professur für Romanische Kultur- und Literaturwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

4. Dezember 2018, 18 Uhr, An der Universität 2, Bamberg

Zur Einstimmung drei Zitate:

Chez les intellectuels, l’idée de la chute est en pleine ascension. Le déclinisme est l’idéologie montante. Se présentant comme les martyrs d’une pensée unique introuvable (en général, on désigne par là les idées de la gauche), des penseurs le plus souvent très marqués à droite tiennent le haut du pavé en multipliant les prédictions catastrophiques. Tous ? Non, une petite escouade résiste à ce délitement général.
(Laurent Joffrin, Le déclinisme réfuté, Libération, 10 juin 2015)

Dix ans de déclinisme pour en arriver là. Dix ans de prophéties apocalyptiques, de sombres pronostics sur l’effondrement de la France et de noires prévisions sur l’inévitable dislocation du pays, dix ans d‘ « identité malheureuse » et de « suicide français » , bref, dix ans de zemmourisme triomphant et de buissonnisme ardent pour accoucher du triomphe d’un président jeune, optimiste, et europhile. Quelle claque !
L’élection d’Emmanuel Macron, c’est d’abord la défaite du « C’était mieux avant… », ce refrain pessimiste qui ponctuait le débat public depuis tant d’années. A cette insupportable ritournelle nostalgique, les électeurs ont préféré le « Ce sera mieux demain… » porté par le candidat d’En marche.
(Renaud Dély, Macron président : la défaite du déclinisme, Marianne, 9 mai 2017)

Élu le 7 mai dernier sur son rejet du déclinisme, l’idéologie du président Macron devait mettre l’individu au centre du jeu et prendre en compte les dérives d’un certain libéralisme. Lui était échu cette drôle de tâche : incarner une politique « et de gauche et de droite ». Douze mois plus tard, force est de constater qu’une image commence à lui coller à la peau : celle d’un président dont les mesures profitent bien davantage aux catégories élevées qu’à l’ensemble des Français. « Il n’est pas perçu autant que ne l’était Nicolas Sarkozy comme le „président des riches“ mais presque » […].
Sur la forme, le macronisme se caractérise par la frénésie des réformes. A chaque nouvelle mouture, l’Élysée met en scène la fin de « l’immobilisme. » Logique, pour un pouvoir qui se revendique « en marche ». Mais rien d’inédit selon l’historien Michel Winock qui compare cet activisme présidentiel à celui d’un Pierre Mendès France au milieu du siècle dernier.
(Simon Blin, Macron, un an après: dossier, Le nouveau Magazine littéraire, 7 mai 2018)

Ill.: E. Macron bejubelt ein Tor der französischen Fußball-Nationalmannschaft, Foto: SPUTNIK

Interview der Bamberger Universitäts-Pressestelle

Die romanischen Länder umfassend verstehen

Kai Nonnenmacher übernimmt die Bamberger Professur für Romanische Kultur- und Literaturwissenschaft

https://www.uni-bamberg.de/news
Die Fragen stellte Patricia Achter

Worin besteht Ihr Selbstverständnis als Professor?

Interview der Bamberger Universitäts-Pressestelle weiterlesen

Godards Kino der Revolution in Thierry Froger, „Sauve qui peut (la révolution)“

Kai Nonnenmacher, „‚Le cinéma […] est le seul lieu où la mémoire demeure esclave‘: Godards Kino der Revolution in Thierry Froger, Sauve qui peut (la révolution)“

Vortrag bei der Sektion „Vergangenheitsbewältigung in unruhigen Zeiten: Figuren der Französischen Revolution (1793/94–99) im nationalen Gedächtnis Frankreichs“, organisiert von Kirsten von Hagen und Anna Wörsdörfer, Frankoromanistentag 2018, Osnabrück, 27. und 28. September 2018.

Godards Kino der Revolution in Thierry Froger, „Sauve qui peut (la révolution)“ weiterlesen

Olivier Guez, La Disparition de Josef Mengele

Mengeles Verschwinden: Olivier Guez an der Schwelle der Zeitzeugenschaft

Kai Nonnenmacher

Artikel online

Kai Nonnenmacher, „Mengeles Verschwinden: Olivier Guez an der Schwelle der Zeitzeugenschaft“, in Engagement und Diversität: Frank-Rutger Hausmann zum 75. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Asholt, Ursula Bähler, Bernhard Hurch, Henning Krauß und Kai Nonnenmacher, Romanische Studien: Beihefte 4 (München: Akademische Verlagsgemeinschaft München, 2018), 520 Seiten, ISBN 978-3-95477-083-0, € 34,80.

Gedruckt lieferbar beim Verlag, digital online im Open Access

Artikel über Olivier Guez, La Disparition de Josef Mengele: roman (Paris: Grasset, 2017) [zit. als JM]; dt. Das Verschwinden des Josef Mengele, übers. Nicola Denis (Berlin: Aufbau, 2018).

Abstract

Olivier Guez, Das Verschwinden des Josef Mengele, Aufbau-Verlag, 2018

Der Arzt im Konzentrationslager Auschwitz, Josef Mengele, wurde eine der paradigmatischen Verkörperungen des Holocaust-Schreckens und ist wiederholt in fiktionalen Werken thematisiert worden. Der Beitrag fragt anlässlich des Erscheinens des mit dem Prix Renaudot 2017 ausgezeichneten Romans La Disparition de Josef Mengele von Olivier Guez nach dem Verhältnis von Quelle und Erinnerung in einer Zeit der ‚letzten Zeugen‘ des Nationalsozialismus. Erinnerungsliteratur, Dokufiktion und Geschichtsroman entwickeln zeitspezifische Modelle des Umgangs mit den Traumata des Holocaust.

 

Ill.: Blog zum frz. Buch

Engagement und Diversität: Beiheft 4 für Frank-Rutger Hausmann

Engagement und Diversität: Frank-Rutger Hausmann zum 75. Geburtstaghrsg. von Wolfgang Asholt, Ursula Bähler, Bernhard Hurch, Henning Krauß und Kai Nonnenmacher, Romanische Studien: Beihefte 4 (München: Akademische Verlagsgemeinschaft München, 2018), 520 Seiten, ISBN 978-3-95477-083-0, € 34,80.

Gedruckt lieferbar beim Verlag, digital online im Open Access

Die Beiträge, deren Themen sich von der Renaissance-Literatur bis zur Gegenwart und bei den fach- und wissenschaftsgeschichtlichen Themen von der Philologie des 19. Jahrhunderts bis zur neuesten Zeit erstrecken, knüpfen fast ausnahmslos an Arbeitsfelder von Frank-Rutger Hausmann an und sind Ausdruck der kollegialen Verbundenheit und Wertschätzung für den Jubilar. Eine Bibliographie seiner Veröffentlichungen dokumentiert sein beeindruckendes, immer wieder neue und kritische Fragen stellendes Lebenswerk.

Mit Beiträgen von: Mechthild Albert, Wolfgang Asholt, Ursula Bähler, Alain Corbellari, Claudine Delphis, Ottmar Ette, Anne-Marguerite Fryba-Reber, Hans Goebl, Ursula Hennigfeld, Bernhard Hurch, Ludwig Jäger, Peter Jehle, Joseph Jurt, Max Kerner, Thomas Klinkert, Christoph König, Peter Kuon, Utz Maas, Franziska Meier, Kai Nonnenmacher, Cornelia Ruhe, Heinz Thoma, Richard Trachsler, Martin Vialon, Margarete Zimmermann

Der Band erscheint in der Buchreihe „Romanische Studien: Beihefte“ der Akademischen Verlagsgemeinschaft München (AVM). Zu bestellen bei:

Akademische Verlagsgemeinschaft München
z.Hd. Frau Simone Steger
Schwanthalerstraße 81
D-80336 München

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Beiträge

Engagement und Diversität: Beiheft 4 für Frank-Rutger Hausmann weiterlesen

Jean-Philippe Toussaint

Les Colloques de Bordeaux # 1

Jean-Philippe Toussaint 

18-22 juin 2019

Les Participant(e)s

  • Arcana Albright (Albright College, États-Unis)
  • Yves Baudelle (Université de Lille, France)
  • Pierre Bayard (Paris VIII, France)
  • Béatrice Bloch (Université Bordeaux Montaigne, France)
  • Luciano Brito (Paris 3 Sorbonne-Nouvelle, France)
  • Hervé Castanet (Psychanalyste, École de la Cause freudienne, France)
  • Laurent Demoulin (Université de Liège, Belgique)
  • Jean-Michel Devésa (Université de Limoges, France)
  • Johan Faerber (Diacritik et Université Paris 3 – Sorbonne Nouvelle, France)
  • Brigitte Ferrato-Combe (Université Grenoble Alpes, France)
  • Aurélia Gaillard (Université Bordeaux Montaigne, France)
  • Timea Gyimesi (Université de Szeged, Hongrie)
  • Sjef Houppermans (Université de Leyden, Pays-Bas)
  • Sophie Jaussi (Université de Fribourg, Suisse / Paris 3 Sorbonne-Nouvelle, France)
  • Morgane Kieffer
(Université Paris X-Nanterre, France)
  • Daniel Laforest (University of Alberta, Canada)
  • Arnaud Laimé (Paris VIII, France)
  • Joël Loehr (UBFC, France et SISU, Chine)
  • Christophe Meurée (Archives & Musée de la Littérature, Bruxelles) et Maria Giovanna Petrillo (Université de Naples, Parthenope)
  • Yann Mevel (Université du Tohoku, Japon)
  • Warren F. Motte (University of Colorado, États-Unis)
  • Kai Nonnenmacher (Université de Ratisbonne, Allemagne)
  • Claire Olivier (Université de Limoges, France)
  • Patricia Oster-Stierle (Présidente de l’Université Franco-Allemande et Université de la Sarre, Allemagne)
  • Lidwine Portes (Université Bordeaux Montaigne, France)
  • Thangam Ravindrnathan (Brown University, États-Unis)
  • Ulrike Schneider (Freie Universität, Berlin, Allemagne)
  • Maïté Snauwaert (University of Alberta, Canada)
  • Jovanka Sotola (Université Charles, Prague, Tchéquie)
  • Hannah Steurer (Université de la Sarre, Allemagne)
  • Michiaki Tanimoto (Université de Tokyo, Japon)
  • Christian von Tschilschke (Université de Siegen, Allemagne)
  • Bertrand Westphal (Université de Limoges, France)

Les Colloques de Bordeaux

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Verfehlte Herrscherutopie bei Dante und Kantorowicz

„An der Hauptstadt der Welt vorbei“.
Verfehlte Herrscherutopie in Kantorowicz’ ‚Kaiser Friedrich der Zweite‘ und bei Dante

Vortrag bei der Tagung „Die zwei Körper des Königs. Kaiser Friedrich II. in Geschichte und Literaturwissenschaft“ von Angela Oster (Italienische Philologie) und Jörg Schwarz (Mittelalterliche Geschichte),
5. Februar 2018, Ludwigs-Maximilians-Universität München

Verfehlte Herrscherutopie bei Dante und Kantorowicz weiterlesen

Workshop: Open Access in der Romanistik – Facetten des wissenschaftlichen Publizierens

Workshop: Open Access in der Romanistik – Facetten des wissenschaftlichen Publizierens

9. November 2017, 13-18 Uhr,
10. November 2017, 9-13 Uhr

Zum Thema Open Access gibt es unterschiedliche Einstellungen und Interessenslagen. Als Mitbetreiberin des Fachinformationsdienstes Romanistik veranstaltet die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg einen Workshop, bei dem Akteure des romanistischen Publikationswesens ihre jeweilige Perspektive darstellen. Dabei sollen Optionen für Open Access in der Romanistik ausgelotet werden. Workshop: Open Access in der Romanistik – Facetten des wissenschaftlichen Publizierens weiterlesen

Macht und Herrschaft – Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive

Kai Nonnenmacher: „Auftrag und Kritik: Trobadoreske Politik des Sirventes am Beispiel von Raimbaut de Vaqueiras“

Vortrag bei der internationalen Tagung „Die Macht des Herrschers“ vom Spannungsfeld B („Personalität und Transpersonalität“) des Sonderforschungsbereichs 1167: Macht und Herrschaft – Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive, vom 23.–25. November 2017 an der Universität Bonn.

Tagungsbericht in H-Germanistik

Tagungsbroschüre (pdf)

Ill.: BnF ms. 854 fol. 75v – Raimbaut de Vaqueiras

Dynamik digitalen Publizierens

Deutscher Romanistentag Zürich,
Podiumsdiskussion

„Die Dynamik digitalen Publizierens“

Die Podiumsdiskussion wird am Montag, den 9. Oktober 2017 in Zürich stattfinden, von 18.15 bis 19.45

Programmübersicht des Romanistentags

Vorgesehene Teilnehmer/innen: Wiebke von Deylen (Fachreferentin Stabi Hamburg), Doris Grüter (Fachreferentin Universitäts- und Landesbibliothek Bonn), Ulrike Krauss (De Gruyter), Franz Lebsanft (Romanische Forschungen), Kai Nonnenmacher (Romanische Studien), Torang Sinaga (Rombach Verlag)

Moderation: Harald Völker (Zürich) und Angela Schrott (Kassel)

Die Podiumsdiskussion hat das Ziel, in romanistischem Kontext ein Gespräch zwischen Verlagen und Open Access-Befürwortern, zwischen traditionellen und weniger traditionellen Akteuren der Publikationslandschaft zu initiieren.

Mögliche Fragestellungen:

  • Was gehört alles zur Dynamik digitalen Publizierens?
  • Wie kann diese Dynamik für die Wissenskommunikation optimal genutzt werden?
  • Welche Umstrukturierungen erleben wir aktuell?
  • Wie können Traditionen und Innovationen des wissenschaftlichen Publizierens produktiv zum Nutzen von Forschung und Lehre verbunden werden?
  • Was bedeutet digitales Publizieren für die Bibliotheken und deren Finanzhaushalt?
  • Wie kann Open Access gut funktionieren?

Romanische Studien und Beihefte gedruckt

Die gemeinsam mit Christian Wehr herausgegebene Zeitschrift Romanische Studien und die Buchreihe Romanische Studien: Beihefte werden ab März 2017 parallel zur Online-Veröffentlichung von der Akademischen Verlagsgemeinschaft München gedruckt angeboten, zum Einzelkauf und Abonnement.

Verlagsbroschüre zum Download

RomanischeStudien_1_2017

La critique littéraire dans la ‚Correspondance littéraire‘

Vortrag in frz. Sprache: „La critique littéraire dans la Correspondance littéraire“, internat. Fachtagung Friedrich Melchior Grimm: pensée, réseaux et génie médiatique du philosophe européen de Ratisbonne, organisiert von Jonas Hock und Kirill Abrosimov, 16.–17. Juni 2017.

[Schwerpunkt Grimm]


Friedrich Melchior Grimm: pensée, réseaux et génie médiatique du philosophe européen de Ratisbonne

Colloque international à l’Université de Ratisbonne

Organisé par Jonas Hock (Ratisbonne) et Kirill Abrosimov (Augsbourg)

financé par : Fakultät SLK et Promotionskolleg der Philosophischen Fakultäten der Universität Regensburg (PUR)

vendredi 16 juin 2017, 15–19h
Luther-Saal im Ev. Bildungswerk, Am Ölberg 2, Regensburg

samedi 17 juin 2017, 9.30–17h
Vortragssaal im Haus der Begegnung, Hinter der Grieb 8, Regensburg

Programme

La critique littéraire dans la ‚Correspondance littéraire‘ weiterlesen

Aurélien Bellanger, Le grand Paris (2017)

„La nouvelle capitale du Prince: Aurélien Bellanger, Le grand Paris (2017)“

Vortrag auf der Tagung Polémiquer – Provoquer – Scandaliser von Peter Kuon, Universitäten Salzburg und Bordeaux, Ende Juni 2017.

Abstract

Depuis les présidentielles de 2007 environ, on peut constater l’essor de romans qui mélangent réalité et fiction dans l’imagination des protagonistes politiques : en 2017, par exemple, le succès de Marine Le Pen dans les deux tours des élections. Ce type de politique-fiction donne un récit plus ou moins grotesque, scandalisant, cynique de notre présent ou de notre avenir proche.

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Die Ambivalenz der Menge bei Tocqueville und Lamartine

Peuple, foule, populace

Die Ambivalenz der Menge in Tocquevilles De la démocratie en Amérique und Lamartines Histoire des Girondins

Beitrag zur Sektion „La foule/die Menge“ von Cornelia Wild und Hermann Doetsch beim Dt. Romanistentag (Zürich)

Kai Nonnenmacher, Regensburg

Im Rahmen eines Forschungsvorhabens „Politisches Denken und literarische Form“ soll im hier skizzierten Beitrag eine Doppellektüre unternommen werden von Tocquevilles De la démocratie en Amérique (2 Bde., 1835/40) und Lamartines Histoire des Girondins (8 Bde., 1847). Der Klassiker politischen Denkens von Tocqueville (1805–59) überträgt Beobachtungen aus einem einjährigen Amerikaaufenthalt auf die Demokratie in der Alten Welt. Das Gesicht des einzelnen Bürgers verliert sich für ihn in der Menge einer Gesellschaft der Gleichen: „À mesure que les conditions s’égalisent chez un peuple, les individus paraissent plus petits et la société semble plus grande, ou plutôt chaque citoyen, devenu semblable à tous les autres, se perd dans la foule, et l’on n’aperçoit plus que la vaste et magnifique image du peuple lui-même.“

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Debatte Erinnerungsforschung

Debatte in der Zeitschrift Romanische Studien zur Positionsbestimmung der Erinnerungsforschung in der Romanistik heute. Wer interessiert ist, an der Debatte aktiv teilzunehmen, wende sich bitte an die Redaktion.

Eröffnung in Heft 5 (2016) mit dem Editorial von Kai Nonnenmacher (Abdruck s.u.) und einer Rezension von Peter Kuon.

Zugesagte Teilnehmer/innen siehe im Begleitblog der Romanischen Studien.

Debatte Erinnerungsforschung weiterlesen

Sektion „Republik und Romantik“ zu Germaine de Staël

Call for Papers / Artikelausschreibung

Republik und Romantik: zur Aktualität von Germaine de Staëls De la littérature

Zum 200. Todestag von Germaine de Staël im Jahr 2017 laden Olaf Müller (Mainz) und Kai Nonnenmacher (Regensburg) zu einer Sektion in den Romanischen Studien (mit ca. sechs Aufsätzen) über De la littérature considérée dans ses rapports avec les institutions sociales (1800) ein. Mme de Staël gilt als Vorläuferin der Literatursoziologie und der vergleichenden Literaturwissenschaft. Dennoch ist seit frühen Übersetzungen im 19. Jahrhundert der Text nicht mehr auf Deutsch verfügbar, im Gegensatz etwa zu den zahlreichen Ausgaben von De l’Allemagne.

. Angenommene Beiträge sind dann bis 31.3.2017 einzureichen. Beitragssprachen können Deutsch, Französisch, in begründeten Fällen auch Englisch oder eine andere romanische Sprache sein.

Mögliche Aspekte sind etwa:

  • Entstehungsgeschichte, Werkkontext Mme de Staël, Wirkungsgeschichte;
  • Ideengeschichte zwischen 18. Jahrhundert und Romantik (z.B. perfectibilité, gloire, Klimatheorie);
  • literaturästhetische und literatursoziologische Perspektiven;
  • De la littérature als politischer Entwurf / Napoleon als impliziter Adressat;
  • komparatistische Einordnung der jeweiligen Nationalliteratur-Darstellungen (v.a. Griechenland, Rom, England, Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland);
  • Genderaspekte (Rolle der Frau in De la littérature, Mme de Staëls Schreib- und Publikationsstrategien, weibliche Autorschaft als Skandalon in der Rezeption von De la littérature), in diesem Zusammenhang auch
  • Gattungsbetrachtungen (Bedeutung der Gattungen in De la littérature, welche Gattungen stehen Frauen um 1800 zur Verfügung).

Zur Einreichung registrieren sich die Beiträger/innen dann bitte auf der Website der Zeitschrift als Autor/in und laden den Aufsatz online incl. Verschlagwortung und Abstract hoch. Die Höchstlänge von 30.000 Zeichen bitte nicht weit überschreiten. Formales und Zitierweise werden online unter Über uns > Beitragseinreichung erläutert.

 


Je me suis proposé d’examiner quelle est l’influence de la religion, des mœurs et des lois sur la littérature, et quelle est l’influence de la littérature sur la religion, les mœurs et les lois. Il existe, dans la langue française, sur l’art d’écrire et sur les principes du goût, des traités qui ne laissent rien à désirer; mais il me semble que l’on n’a pas suffisamment analysé les causes morales et politiques, qui modifient l’esprit de la littérature. Il me semble que l’on n’a pas encore considéré comment les facultés humaines se sont graduellement développées par les ouvrages illustres en tout genre, qui ont été composés depuis Homère jusqu’à nos jours.
(Mme de Staël, De la littérature, Discours préliminaire)

De la littérature, das im April 1800 erschien, war nicht nur eine deutlich gegen Napoleons (Kultur-)Politik gerichtete Kampfschrift, sondern vor allem ein großer literaturtheoretischer Wurf:

Nach zwei unsteten, in Paris, Coppet und auf Reisen verbrachten Jahren, publizierte sie im April 1800 die bedeutende Abhandlung De la littérature considérée dans ses rapports avec les institutions sociales (= Von der Betrachtung der Literatur im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Institutionen). Hierin formuliert sie als eine der Ersten die Theorie, dass literarische Werke durch das konkrete Umfeld, in dem sie entstehen, geprägt sind, worunter sie sinnfälligerweise vor allem die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse verstand, allerdings auch die klimatischen und geographischen sowie sonstige äußere Bedingungen. In diesem Sinne rief sie die quasi zwischen Nord und Süd platzierten französischen Literaten auf, sich nicht mehr nur an der heidnischen mediterranen Kultur der Antike zu inspirieren, sondern auch an der christlich-germanisch geprägten Kultur des mittelalterlichen Mittel- und Nordeuropas. Hiermit wies sie der beginnenden Romantik den Weg. Sie selbst begann, in Konsequenz ihrer Einsichten, Deutsch zu lernen und sich mit der deutschen Kultur zu befassen. (online)

Anne Louise Germaine de Staël-Holstein wurde als Tochter des Bankiers Jacques Necker, des Finanzministers Ludwigs XVI., am 22. April 1766 in Paris geboren und starb am 14. Juli 1817 in Paris. 1786 wurde sie Baronesse de Staël durch Heirat mit dem schwedischen Gesandten in Paris, was es ihr ermöglichte, einen politisch und literarisch einflussreichen Salon zu führen, mit dem sie in der Revolutionszeit wiederholt in Konflikt mit den jeweiligen Regierungen geriet. Sie floh 1792 vor der radikalisierten Revolution auf das elterliche Landgut Coppet bei Genf und ins Exil nach England. Nach einer kurzen Phase der Bewunderung für Bonaparte wandte sie sich bald nach dessen Staatsstreich offen gegen die sich befestigende Diktatur. Nach mehreren Pressekampagnen, die Napoléon gegen Mme de Staëls Schriften (De la littérature, 1800; Delphine, 1802) inszenieren ließ, verbannte er sie 1803 aus Paris und lieferte ihr damit den Anlass für die Deutschlandreise, die die Grundlage bildete für ihr bis heute berühmtestes Werk, De l’Allemagne (1810 fertiggestellt, 1813 zuerst publiziert).

Ill.: Germaine de Staël, Porträt von Vladimir Borovikovsky, 1812, Tretjakow-Galerie, Moskau

 

Correspondance littéraire

Les Correspondances de Friedrich Melchior Grimm

Vortrag in französischer Sprache bei der Tagung
Correspondances et critique littéraire, November 2016

Organisation: F. Meier, B. Diaz, J. Anselmini, Universität Göttingen

[Schwerpunkt Grimm]

Ill.: Grimm et Diderot, gravure de Frédéric Régamey (1877) d’après Carmontelle (1761). Frontispice de l’édition Tourneux de la Correspondance littéraire

Zur politischen Autobiographie

Confessions der Politikerbiographien

Beitrag zur Sektion „Biographies médiatisées – Mediatisierte Lebensgeschichten. Medien, Genres, Formate und die Grenzen zwischen Identität, Biographie und Fiktionalisierung“ (Dr. Maximilian Gröne/ Dr. Florian Henke) am 10. Kongress des Frankoromanistenverbands 28. September bis 1. Oktober 2016, Universität des Saarlandes, Saarbrücken

Als De Gaulles Memoiren in die ehrenwürdige Bibliothèque de la Pléiade aufgenommen wurden, feierte die NZZ: „De Gaulle auf dem Olymp der Literatur“. In diesem Beitrag soll das Sektionsthema der mediatisierten Biographie auf die hybride Textsorte zwischen Autobiographie und politischer Kommunikation der öffentlichen Politikerperson anhand ausgewählter französischer Beispiele diskutiert werden. Während 2016 Sarkozys Autobiographie La France pour la vie erscheint, titelt das Magazin Marianne zur Diagnose der Personalisierung von Politik : „Et moi, et moi et moi… la dictature du moi “je”: Le tout-à-l’égo ne frappe pas que les politiques en course pour l’Elysée, il se généralise à toute la société.“ Innerhalb der Bandbreite autobiographischer Untergattungen versucht die politische Autobiographie wie die journalistische Homestory eine Vermittlung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, Stilisierung eines Lebens und Narrativierung der eigenen Politisierung einerseits, memoirenartige Einordnung ins Weltgeschehen und strategische Deutungshoheit über politisches Handeln andererseits. Im Gegensatz zu Biographien wie der von Mitterrand durch Michel Winock, der von Pompidou durch Edouard Balladur oder der von Martine Aubry durch Rosalie Lucas und Marion Mourgue ist die Selbstmediatisierung der politischen Autobiographie immer auch ein Ringen des Textes um Deutungsmacht über das eigene Leben, insofern steht die Textsorte interdisziplinär zwischen Politikwissenschaft, Geschichte und Literaturwissenschaft.

Sektion Nummer 4: Biographies médiatisées – Mediatisierte Lebensgeschichten.

Medien, Genres, Formate und die Grenzen zwischen Identität, Biographie und Fiktionalisierung

Sektionsleitung: Dr. Maximilian Gröne (Augsburg) und Dr. Florian Henke (Saarbrücken)

Abstract der Sektion:

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Tasso-Lektüren

Tasso-Lektüren: Zyklus in zwanzig Teilen für die Rubrik „Lektüren“ der Romanischen Studien, gesammelt von David Nelting und Kai Nonnenmacher

Zum Vorhaben, geplant ab Herbst 2017

Im Gegensatz zur Lectura Dantis gibt es keine ihr vergleichbare Tradition von Tasso-Lektüren, von Ausnahmen wie Franco Tomasis Zyklus aus Interpretationen der zwanzig Gesänge abgesehen, welcher an der Universität Padova veranstaltet wurde:

Il progetto di una “lettura” integrale del testo, avviato nei primi anni novanta, si è rivelato un’interessante sfida sul piano esegetico e metodologico, poiché l’incontro con il singolo canto ha obbligato ogni lettore a misurarsi con l’unità testuale, in un vero e proprio corpo a corpo con un poema che, per la sua genesi e conformazione, appare complesso, ricco di sfumature, stratiforme e sempre capace di svelare nuove ipotesi ermeneutiche, come accade, si direbbe, a tutti i testi classici di ogni letteratura.
Lettura della ‚Gerusalemme liberata‘, hrsg. von Franco Tomasi (Alessandria: Edizioni dell’Orso, 2005).

Analog zur regelmäßigen Rubrik „Balzac-Lektüren“ der Zeitschrift Romanische Studien soll mit dem hier skizzierten Vorhaben von „Tasso-Lektüren“ – einer Sammlung von Lektüren je eines Gesangs der Gerusalemme liberata – nicht der Anspruch erhoben werden, den Stand der Tasso-Forschung für jeden Canto vollständig zu subsumieren oder entscheidend zu erweitern, sondern es können auch pointierte und im besten Sinne ‚subjektive‘ Lektüren aus der Italianistik veröffentlicht werden

Explizit gewünscht sind textnahe Lektüren von Auszügen. Möglich sind bspw. Fokussierungen auf eine Figur oder einen Handlungsstrang des Gesangs, Verweise auf Tassos Gesamtwerk oder zeitgenössische Poetiken, auf intertextuelle oder kulturhistorische Bezüge des ersten Kreuzzugs (1096–99) oder des späten Cinquecento (1575 abgeschlossen, erscheint die Gerusalemme liberata 1581), schließlich auch auf Aspekte der Rezeption, Übersetzung etc.

Planungascoli1

Herbst 2017: Eröffnung mit Canto I durch
Albert Russell Ascoli
President, Dante Society of America
Terrill Distinguished Professor, University of California, Berkeley

 

 

Ill.: Paolo Domenico Finoglia, Jérusalem délivrée. Tancrède affronte Clorinde (Palazzo Acquaviva, Conversano), 1640-45

Französische Literatur jenseits des Nationalen

Vorlesung „Französische Literatur jenseits des Nationalen“, Sommer 2016, Universität Regensburg

  • Weltliteratur und Konzepte des Kulturkontakts
    • Europäische Literatur
    • Vergleichende Literaturwissenschaft
    • Internationalisierung/Globalisierung (in) der Literatur
    • Regionalliteratur
    • Migration und Literatur
    • Interkulturalität, Négritude, Kreolisierung, Hybridität
  • Kolonialisierung und Frankophonie
    • Frankophone Literatur des Maghreb
    • Afrika südlich der Sahara: Négritude
    • Antikoloniale Literatur
    • Postkoloniale frankophone Literatur
    • Antillen und Ozeanien
  • Frankophone Literaturen Europas und Nordamerikas
    • Schweiz
    • Belgien
    • Luxemburg
    • Kanada, u.a. Maine, Louisiana

Begriffe der Liebe

„La gloriosa donna de la mia mente“: Dantes Liebesphilosophie und dreimal Beatrice

Vorlesung am 7. Dezember 2016 im Rahmen der Vorlesungsreihe
Begriffe der Liebe
des Zentrums für Klassikstudien  der Universität Regensburg,
Organisation durch Prof. Dr. Rolf Schönberger (Philosophie)

A ciascun’alma presa e gentil core
nel cui cospetto ven lo dir presente,
in ciò che mi rescrivan suo parvente,
salute in lor segnor, cioè Amore.

Già eran quasi che atterzate l’ore
del tempo che onne stella n’è lucente,
quando m’apparve Amor subitamente,
cui essenza membrar mi dà orrore.

Allegro mi sembrava Amor tenendo
meo core in mano, e ne le braccia avea
madonna involta in una drappo dormendo.

Poi la svegliava, e d’esto core ardendo
lei paventosa umilmente pascea:
appresso gir lo ne vedea piangendo.

(Dante Alighieri, Vita Nova, III)

Ill.: Odilon Redon: Dante et Béatrice (1914), Public Domain

 

Literatur im Französisch-Unterricht

Vortrag: „Literarische Bildungspolitik in Frankreich und Kompetenzorientierung in Deutschland: kontrastives Plädoyer für eine künftige Literaturdidaktik im Französischunterricht“

Tagung: Literaturwissenschaft – eine Positionsbestimmung in schwierigen Zeiten. Welche Kompetenzen vermittelt die Disziplin eigentlich?

Tagung vom 19. bis 20. Mai 2016, Justus-Liebig-Universität
Hauptgebäude, Ludwigstr. 23, 35390 Giessen, Raum 316
Kontakt: Dr. Sabine Mandler, Tel. 0641-98442146

Organisator/innen:

  • PD Dr. Wolfram Aichinger, Romanisches Seminar der Universität Wien
  • Dr. Christian Grünnagel, Institut für Romanistik (JLU)
  • Dr. Sabine Mandler, Hochschuldidaktische Weiterbildung (JLU)

Ill.: Panthéon, Paris