Poesie der Körpertechniken: Aby Warburg tanzt

Kai Nonnenmacher, „Poesie der Körpertechniken: Aby Warburg tanzt“, über Marie de Quatrebarbes, Voguer (2019) und Aby (2022), in Rentrée littéraire: französische Literatur der Gegenwart, 31. März 2022, http://rentree.de/2022/03/31/poesie-der-koerpertechniken-aby-warburg-tanzt.

Die beiden Bücher Voguer (2019) und Aby (2022) von Marie de Quatrebarbes lesen den Tanz der Körper poetisch, und in der Tradition von Theorie-Romanen, die ein Leben und ein Werk zusammendenken – wie etwa Philippe Forests Physikerroman Le chat de Schrödinger (2014), Laurent Binets Strukturalismus-Roman La septième fonction du langage (2015) über Roland Barthes oder Philippe Artières’ Le dossier sauvage (2019) über Michel Foucault –, ist der Text sowohl Erzählung einer Geschichte, als auch narrative Entfaltung einer Theorie. Lässt sich aus dem Leben von Aby Warburg eine solche Erzählung erschaffen, die dem Leser neue Dimensionen dieses tragisch-faszinierenden Menschen und seines kunstgeschichtlich-kulturwissenschaftlichen Werks erschließt? 

You Press the Button, We Do the Rest. Par cette formule George Eastman, inventeur et créateur de la firme Kodak, promettait à n’importe quel quidam de multiplier à l’infini les vues d’une même chose. Loin de la magie, des numéros de cirque, des baisers électriques et des danses au radium, l’électricité a domestiqué l’homme dans son dos. […] Rompant les amarres qui le reliaient au mythe, le geste rejoint sa visée, en un éclair. S’ensuit un court-circuit, une brèche irréversible dans le faisceau des causes. Bientôt il n’y aura plus de distances dans le monde, plus de seuils à franchir.

Marie de Quatrebarbes, Aby

You Press the Button, We Do the Rest. Mit dieser Formel versprach George Eastman, Erfinder und Gründer der Firma Kodak, dass jedermann unendlich viele Bilder von ein und derselben Sache sehen kann. Weit entfernt von Magie, Zirkusnummern, elektrischen Küssen und Radiumtänzen hat die Elektrizität den Menschen hinter seinem Rücken domestiziert. […] Die Geste reißt die Leinen los, die sie mit dem Mythos verbunden haben, und erreicht blitzschnell ihr Ziel. Es folgt ein Kurzschluss, eine irreversible Lücke im Bündel der Ursachen. Bald wird es in der Welt keine Entfernungen mehr geben, keine Schwellen, die es zu überwinden gilt.

Ill.: Ausstellung „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne – das Original“, Foto: Bergander/BKM

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