Thementag „Jugendkulturen in Schule und Unterricht“

Zentrum für Lehrerbildung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Dozentinnen/Dozenten

Prof. Dr. Pascal Fischer, Prof. Dr. Christoph Jürgensen, Prof. Dr. Kai Nonnenmacher

Zeit und Ort

Einzeltermin am 2.12.2022 9:00 – 15:00, U2/01.33

Inhalt

Für Schülerinnen und Schüler ist es so motivierend wie irritierend, sich mit anderen jugendlichen Lebensstilen als den eigenen auseinanderzusetzen, historisch wie kulturvergleichend.

Die Erforschung von Jugendkulturen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Dies liegt zunächst daran, dass sich die Jugendkulturen selbst gewandelt haben. Während in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren einige Subkulturen wie die Mods, die Hippies und die Skinheads hervortraten, die sich durch Mode, Musikpräferenzen und zum Teil durch subversive Vorstellungen unverkennbar vom gesellschaftlichen Mainstream abgrenzten, kam es seit dem Ende des 20. Jahrhunderts zu einer weiteren Verbreitung, Fragmentierung und Hybridisierung verschiedener kultureller Praktiken und Lebensstile unter Jugendlichen. Deren Identitäten werden heute weniger stark durch Kleider- oder Musikstile klar identifizierbarer Gruppen bestimmt. Die Soziologie und die Kulturwissenschaften haben auf diese Veränderungen unter anderem terminologisch und konzeptionell durch Begriffe wie clubbing-cultures, neo-tribes oder scenes regiert, die vielfach unter dem Schlagwort der post-subcultures zusammengefasst werden. Zugleich löst man sich zunehmend von Forschungsparadigmen, die Jugendkulturen unter marxistischen Vorzeichen als Teil von Klassen- und Generationskonflikten interpretieren und primär in Schemata von Subversion und Affirmation einordnen. Neben der popkulturellen Betrachtung von Jugendkultur wird ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenhang mit politischen Protestbewegungen sein, beispielsweise die geforderte andere Lebensweise angesichts des Klimawandels bei Fridays For Future oder die französischen Jugendproteste der gilets jeunes im Umfeld der Gelbwesten-Bewegung (gilets jaunes).
Der Thementag geht auf die Relevanz dieser Entwicklungen für Schule und Unterricht ein. So werden zum einen Modelle diskutiert, mit denen die kulturellen Verortungen der Schülerinnen und Schüler beschrieben und verstanden werden können. Zum anderen wird es um Jugendkulturen als Unterrichtsgegenstand gehen: Die Behandlung der erwähnten Phänomene im Unterricht dient anschaulich der Vermittlung landeskundlichen Wissens, fördert die Selbstreflexion der Heranwachsenden und eröffnet ihnen motivierende Einsichten in einen Wissenschaftszweig, der jugendkulturelle Varianten ihrer eigenen Lebenswirklichkeit zum Gegenstand hat.

Neben theoretischen Fragen wird es in Vorträgen und Workshops auch um konkrete Beispiele jugendkultureller Praktiken gehen. Den Abschluss des Thementags bildet eine Diskussion zu Jugendkulturen in Schule und Unterricht.

PROGRAMM

9:00 – 9:55 Uhr
Prof. Dr. Pascal Fischer (Universität Bamberg)
Jugendkulturen in Geschichte und Forschung mit Überlegungen zur Relevanz für den Unterricht (Vortrag)
Der Beitrag rekapituliert zunächst die Entwicklung der Jugendkulturen von der Nachkriegszeit bis heute mit besonderem Augenmerk auf Großbritannien. Dann wendet er sich den wichtigsten Tendenzen zur Erforschung der subcultures und verwandter Phänomene zu. In einem weiteren Schritt wird die Frage erörtert, wie Jugendkulturen im Unterricht angemessen behandelt werden können.

10:00 – 11:30 Uhr
Prof. Dr. Christoph Jürgensen & Dr. Julia Ingold (Universität Bamberg)
„Bildungsbürgerprolls“? Hip-Hop-Tracks im Unterricht (Workshop)
Hip Hop ist die international erfolgreichste Musikrichtung unserer Zeit und Deutschrap die prägende Dominante der zeitgenössischen deutschen Jugendkultur. Raptracks in den Unterricht einzubeziehen, dient deshalb nicht nur dazu, vorgegebene Inhalte ansprechend zu vermitteln, sondern die Jugendlichen zu lehren, ihre eigene Lebenswelt kritisch wahrzunehmen und zu verstehen. Mit seiner künstlerischen und thematischen Vielseitigkeit kann Hip Hop nicht nur im Sprachunterricht, sondern auch in vielen weiteren Fächern, wie etwa Sozialkunde oder Religion, eingesetzt werden.

11:45 – 12:45 Uhr
Prof. Dr. Kai Nonnenmacher (Universität Bamberg)
Kulturkampf und Protestkultur am Beispiel (nicht nur) Frankreichs (Vortrag)
Neben der popkulturellen Betrachtung von Jugendkultur spielt ihr Zusammenhang mit politischen Protestbewegungen eine wichtige Rolle. Hier kann es beispielsweise um die geforderte andere Lebensweise angesichts des Klimawandels bei Fridays For Future oder um die französischen Jugendproteste der gilets jeunes im Umfeld der Gelbwesten-Bewegung (gilets jaunes) gehen. Der Vortrag widmet sich diesen Phänomenen der Jugendkultur im Bildungskontext.

13:30 – 14:25 Uhr
Andrea Steinbach (Goethe-Gymnasium Regensburg, Universität Regensburg, Universität Bamberg)
Koreanische Populärkultur: Hallyu – die koreanische Welle schwappt nach Deutschland (Vortrag)
Hallyu (한류), die koreanische Welle, bezeichnet das Phänomen der zunehmenden Begeisterung für die koreanische Populärkultur im 21. Jahrhundert. Das Phänomen umfasst mittlerweile nicht mehr nur K-Pop, Computerspiele und Fernsehdramen, sondern erstreckt sich auch auf andere Bereiche, wie Essen, Sprache, Kosmetik oder Sport. Warum begeistern sich immer mehr Kinder und Jugendliche für K-Pop, koreanische Comics oder koreanische Fernsehdramen? Wie kann diese Begeisterung und dieses Interesse im Unterricht aufgegriffen und genutzt werden? Der Vortrag bietet die Gelegenheit, nicht nur Interessantes über Korea zu erfahren, sondern auch über koreanische Einflüsse auf die deutsche Jugendkultur, sowie zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Unterricht kennenzulernen.

14:30 – 15:00 Uhr
Diskussion

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