Schlagwort-Archive: Dante Alighieri

Begriffe der Liebe

„La gloriosa donna de la mia mente“: Dantes Liebesphilosophie und dreimal Beatrice

Vorlesung am 7. Dezember 2016 im Rahmen der Vorlesungsreihe
Begriffe der Liebe
des Zentrums für Klassikstudien  der Universität Regensburg,
Organisation durch Prof. Dr. Rolf Schönberger (Philosophie)

A ciascun’alma presa e gentil core
nel cui cospetto ven lo dir presente,
in ciò che mi rescrivan suo parvente,
salute in lor segnor, cioè Amore.

Già eran quasi che atterzate l’ore
del tempo che onne stella n’è lucente,
quando m’apparve Amor subitamente,
cui essenza membrar mi dà orrore.

Allegro mi sembrava Amor tenendo
meo core in mano, e ne le braccia avea
madonna involta in una drappo dormendo.

Poi la svegliava, e d’esto core ardendo
lei paventosa umilmente pascea:
appresso gir lo ne vedea piangendo.

(Dante Alighieri, Vita Nova, III)

Ill.: Odilon Redon: Dante et Béatrice (1914), Public Domain

 

Dante Alighieri, Paradiso XI

Der Beitrag Kai Nonnenmacher, „Dante AIighieri, Paradiso XI“ ist zur Publikation vorgesehen in der Zeitschrift Wissenschaft und Weisheit: franziskanische Studien zu Theologie, Philosophie und Geschichte.

Heilige – Prediger – Inquisitoren. Dominikaner und Franziskaner in der mittelalterlichen Gesellschaft

Ringvorlesung des Forums Mittelalter der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Themenverbund „Urbane Zentren und europäische Kultur in der Vormoderne“, Sommersemester 2016, Mi, 14-16 Uhr, H 2

Vorlesungen

Prof. Dr. Klaus Unterburger (Historische Theologie)
Dominikus und Franziskus. Ideale, Konflikte, Wirkung zweier unterschiedlicher „Ordensgründer“

Prof. Dr. Jörg Oberste (Mittelalterliche Geschichte)
Werkstatt für Dominikus und Franziskus? Die Reform der Seelsorge an der Universität Paris im 12. Jahrhundert

Prof. Dr. Edith Feistner (Ältere deutsche Literatur)
Laienfrömmigkeitsbewegung und Ordensgründerlegenden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts: das Beispiel der Vita prima Sancti Francisci des Thomas von Celano und ihrer volkssprachlichen Bearbeitung durch Lamprecht von Regensburg

Dr. Susanne Ehrich (Ältere deutsche Literatur)
Viri spirituales. Dominikaner und Franziskaner in mittelalterlichen Endzeitentwürfen

PD Dr. Kai Nonnenmacher (Romanische Literatur)
Dante AIighieri, Paradiso XI

Prof. Dr. Harald Buchinger (Liturgiewissenschaft)
Bettelordensliturgien im Vergleich

Prof. Dr. Wolfgang Schöller (Kunstgeschichte)
Bettelordensarchitektur im Kontext

Prof. Dr. Rolf Schönberger (Geschichte der Philosophie)
Dominikaner und Franziskaner als Magistri/Albertus Magnus

Prof. Dr. Jörg Oberste (Mittelalterliche Geschichte)
Ketzer und Konsorten. Mittelalterliche Personengruppen im Visier der Inquisition

Prof. Dr. Christian Leitmeir (Musikwissenschaft/University of Oxford/UK)
Verbotene Früchte? Die „Mehrstimmigkeitsfeindlichkeit“ der mittelalterlichen Dominikaner

P. Elias H. Füllenbach 0P (Institut zur Erforschung der Geschichte des Dominikanerordens im deutschen Sprachraum, Köln)
Entwicklung des Dominikanerordens in Deutschland

Dr. Artur Dirmeier (Archiv der Katharinenspitalstiftung)
Bettelorden und städtische Gesellschaft in Regensburg

http://www.forum-mittelalter.de

Zum Thema

2016 feiert der Dominikanerorden weltweit sein 800. Ordensjubiläum, das auch die Stadt Regensburg im Rahmen ihres Jahresthemas „Stadtgestaltung“ in den Blickpunkt rücken will. Eine vom Diözesanmuseum Regensburg und der Dominikanerprovinz Teutonia veranstaltete Ausstellung mit dem Titel „Mehr als Schwarz & Weiß. 800 Jahre Dominikanerorden“ wird unter anderem das Wirken der Dominikaner in Regensburg von 1300 bis heute beleuchten (10.5.-15.8.2016, ehem. Dominikanerkloster St. Blasius). Nicht nur die Dominikaner, auch die in einem Zuge mit den Predigerbrüdern genannten Franziskaner haben die mittelalterliche Gesellschaft, vor allem die aufstrebenden Städte des 13. Jahrhunderts, ganz entscheidend geprägt. Dabei wirkten die neuen Orden und das städtische Umfeld wechselseitig aufeinander ein. Auf die zunehmend ökonomisierten Lebenszusammenhänge antworteten beide Bettelorden mit neuen Formen der Seelsorge, sprachen das städtische Publikum durch ihre Predigten direkt an und schrieben sich topographisch mit ihren mächtigen Kirchenbauten tief in das Stadtbild ein. Aus dem Ideal eines am Evangelium ausgerichteten Lebens, wie es Franziskus von Assisi verkörperte, entwickelten sich neue Heiligkeitstypen, die vor allem die Laienfrömmigkeit veränderten und intensivierten. Andererseits war für die religiöse Identität der Mendikanten aber auch eine deutliche Abgrenzung gegenüber Häretikern und Andersgläubigen kennzeichnend. So sahen die als „Hunde des Herrn“ bezeichneten Dominikaner ihren Ordenszweck dezidiert in der Ketzerbekämpfung und arbeiteten besonders zahlreich im Dienst der päpstlichen Inquisition.

Die Ringvorlesung des Forums Mittelalter möchte das Jubiläumsjahr des Dominikanerordens mit 12 interdisziplinären Vorträgen zu den mittelalterlichen Bettelorden flankieren. Dabei werden Vertreterinnen und Vertreter der mediävistischen Fächer der Universität Regensburg und internationale Gastreferenten ein facettenreiches Bild der Entstehungsbedingungen, der rasanten Ausbreitung und des religiösen, literarischen und kulturellen Wirkens der Dominikaner und Franziskaner in der mittelalterlichen Welt entwerfen. Neben historischen Kernthemen wie der Reform der Seelsorge und der dominikanischen Inquisition werden auch theologische Fragestellungen (Heiligkeitskonzepte und Bettelordensliturgien), kunsthistorische und musikwissenschaftliche Aspekte (Bettelordensarchitektur und Musik im Dominikanerorden), literaturwissenschaftliche Quellen (Ordensgründerlegenden und Visionsliteratur der  Mendikanten) und philosophiegeschichtliche Zusammenhänge (Dominikaner und Franziskaner als magistri) thematisiert.

Ill.: Fra Angelico, Dominikus, Freskenzyklus im Dominikanerkloster San Marco in Florenz, Szene: Verspottung Christi, Detail: Hl. Dominikus, circa 1437-1446

 

Politisches Denken und literarische Form: Boccaccio

Kai Nonnenmacher, „Warum Dante und nicht Boccaccio im Zentrum der politischen Theorie des Mittelalters steht“ in Cordula Reichart, Hrsg., Italienische Texte zur politischen Theorie (Münchner Italienstudien), i.V.

 

Ill: Giovanni Boccaccio, Particolare dell’affresco raffigurante la Chiesa e i Domenicani di Andrea Bonaiuti nel Capitolo di Santa Maria Novella a Firenze (ca. 1365)

Dante extra muros. Exil als Voraussetzung politischen Denkens der Stadt

Kai Nonnenmacher: „Dante extra muros. Exil als Voraussetzung politischen Denkens der Stadt“, Int. Jahrestagung des Forums Mittelalter Die bewegte Stadt. Migration, soziale Mobilität und Innovation in vormodernen Großstädten, Regensburg, 13.–15.11.2014, http://www.forum-mittelalter.de

Die bewegte Stadt. Migration, soziale Mobilität und Innovation in vormodernen Großstädten
Veranstalter: Forum Mittelalter der Universität Regensburg; in Kooperation mit dem Themenverbund „Urbane Zentren und europäische Kultur in der Vormoderne“

In der aktuellen Forschung spielen die Stichworte der Mobilität und des Innovationspotenzials eine zentrale Rolle bei der Funktionsbestimmung moderner Metropolen. Auf die medialen, technologischen und sozialen Bedingungen der Antike, des Mittelalters und der Frühneuzeit übertragen, ergeben sich in dieser Perspektive neue Anfragen an die vormoderne Urbanität und Metropolität: Soziale Mobilität unterlag in der Vormoderne scharfen rechtlichen und sozialen Regeln. Welche Rolle spielten die urbane Lebensform und das Vorbild der großen urbanen Zentren dabei, diese Regeln umzuformulieren? Mit welchen Methoden lassen sich Migrationsbewegungen und demographischer Wandel in der Vormoderne bestimmen? Wie schlägt sich Migration und soziale Mobilität in der urbanen Topographie nieder?

Programm

Donnerstag, 13. November 2014

 

19.00 Uhr Eröffnung der Jahrestagung
Einführung: Jörg Oberste, Sprecher des Forums Mittelalter und des Themenverbunds „Urbane Zentren“
Grußwort: Christoph Wagner, Vizepräsident der Universität Regensburg

Eröffnungsvortrag: Peter Herz, Alte Geschichte, Universität Regensburg
Zuwanderung und soziale Mobilität im kaiserzeitlichen Ostia

Freitag, 14. November 2014

9.00 Uhr Elena Köstner, Regensburg
Sozialer Aufstieg im spätrepublikanischen Rom am Beispiel der „homines novi“

9.45 Uhr
Johannes Fouquet, Heidelberg
Zum Schmuck der Stadt gebaut – Private Munifizenz und soziale Mobilität im frühkaiserzeitlichen Korinth und Sparta

10.30 – 11.00 Uhr: Kaffeepause

11.00 Uhr
Neville Morley, Bristol/GB
The Decline of Urbanism in the Late Roman West

11.45 Uhr
Maria Selig, Regensburg
Migrationsbewegungen in mittelalterlichen Großstädten (Rom, Paris)

14.00 Uhr Sandro Carocci, Rom/IT
Studying Social Mobility in Late Medieval Italy (13th-14th Centuries)

14.45 Uhr Roman Czaja, Toruń/PL
Die Mobilität der Führungsgruppen in den Ostseestädten (14.-16. Jh.)

16.00 Uhr Dennis Hormuth, Kiel
Immigranten als selbstverständlicher Teil der politischen und gesellschaftlichen Eliten Rigas – Ein Hindernis für sozialen Aufstieg in der Stadt?

16.45 Uhr Christian Jörg, Trier/Saarbrücken
Herausforderungen und Innovationen. Die Hungersnöte des Spätmittelalters und die Einführung städtischer Korngroßspeicher im nordalpinen Reichsgebiet

19.00 Uhr: Führung im document Niedermünster

Samstag, 15. November 2014

9.00 Uhr Christoph Dartmann, Münster
Das Meer beherrschen? Zur Organisation des Genueser Kolonialreichs am Mittelmeer

9.45 Uhr Kai Nonnenmacher, Regensburg
Dante extra muros. Exil als Voraussetzung politischen Denkens der Stadt

10.30 – 11.00 Uhr: Kaffeepause

11.00 Uhr Kerstin Schlögl-Flierl, Regensburg
Die Bußbewegung der Bianchi im Italien des Spätmittelalters: Unterwegs im Auftrag der Geißelung – Mobilität und bußtheologische Innovation

11.45 Uhr Philipp Strobl, Bratislava/SK, Innsbruck/AT
„Going Global“: Amsterdam und London als vormoderne Zentren der Weltwirtschaft im Jahr 1600

12.30 Uhr Richard Nemec, Bern/CH
Tradition, Innovationen oder Rückständigkeit? Medialitätsstrategien der eidgenössischen städtischen Eliten in der Frühen Neuzeit (Berner Rathaus und Münster)

Ill. Domenico Peterlini (attribuito): Dante in esilio, ca. 1860

Die sprachliche Formierung der politischen Moderne: Spätmittelalter und Renaissance in Italien

Die sprachliche Formierung der politischen Moderne:
Spätmittelalter und Renaissance in Italien
,
hrsg. von Oliver Hidalgo und Kai Nonnenmacher, Wiesbaden: Springer VS, 2015 (= Politisches Denken und literarische Form; 1), ISBN 978-3-658-08049-5
Verlagsseite | Bibliotheksbestand

Exposé

Das auf vier Bände angelegte interdisziplinäre Projekt „Politisches Denken und
literarische Form“ untersucht den konstitutiven Zusammenhang zwischen politischen Ideen und ihrer sprachlich-literarischen Form. Im Fokus steht der Nexus zwischen politischer Theoriebildung und ästhetisch-poetischen Strukturen sowie politischen und sprachlichen Paradigmenwechseln im Rahmen der modernen europäischen Geistesgeschichte.

Der erste Band folgt einer Kardinalthese der Cambridge School of Intellectual History und verortet die begriffliche Geburt der Moderne in Italien zwischen Spätmittelalter und Renaissance (v. a. bei Dante, Marsilius, Machiavelli, Guicciardini). Nachgezeichnet wird, wie sich bevorzugt im politischen Diskurs der Stadt Florenz ein Vokabular herausbildete, das die Ideen der Autonomie und Gestaltbarkeit des Gemeinwesens gegen die Vorstellungen religiöser Vorsehung etablierte.

Inhalt

Inhaltsverzeichnis pdf

Einleitung: Das politische Vokabular in Italien zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert
Oliver Hidalgo und Kai Nonnenmacher

Teil I Strategien und Textualität politischen Denkens im italienischen Spätmittelalter

Die Entwicklung politischer Theorie im Mittelalter
Jürgen Miethke

Kommentar und Inanspruchnahme: Die Politik des Aristoteles im Werk des Thomas von Aquin
Rolf Schönberger

Politische Begriffe und Ideale in Brunetto Latinis Rhetorik
Johannes Bartuschat

Zum Verhältnis von Poesie, Politik und Metaphysik bei Dante
Thomas Klinkert

Dantes Päpste. Die „Commedia“ und der kirchenkritische Diskurs des späteren Mittelalters
Jörg Oberste

Wandlungen des Theologisch-Politischen und die sprachliche Geburt der Moderne – Dante Alighieri, Marsilius von Padua, Niccolò Machiavelli
Oliver Hidalgo

Teil II Politische Ideen und literarische Formen auf dem Weg zur Moderne

Dialog als Lebensform – Literarische Verständigungsdiskurse bei Petrarca, Bracciolini, Pico della Mirandola und Giannotti
Alexander Thumfart

Machiavellis realistischer Fürstenspiegel – Il Principe als Appell an den Ehrgeiz
Frauke Höntzsch

„Avvertite a non vi ingannare ne’ tempi“. Modellierungen der Zeit in Guicciardinis politischen Schriften
Barbara Kuhn

Kein Ort, nirgends – Aporien frühaufklärerischer Kritik bei Radicati di Passerano
Gisela Schlüter

Von der Diktion zur Debatte. Rhetorik in Quentin Skinners Forschungsprogramm
Kari Palonen

From Unity to Fragmentation. The Metamorphosis of Political Philosophy, History and Memory
Csilla Kiss