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Nationalsozialismus bei Mathias Énard

„Habiter des nuages dans le ciel d’Auschwitz“: Nationalsozialismus in Mathias Énards Kriegsepos „Zone“ und anderen französischen Gegenwartsromanen

Vortrag bei der Ringvorlesung des Frankreichzentrums der Freien Universität Berlin zum Thema „L’actualité du nazisme: Deutsch-Französische Perspektiven aus Kultur und Wissenschaft

Mi., 13. November, 18.15 Uhr

Zur Ringvorlesung

Anlass dieser Veranstaltung ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema in Frankreich in den letzten Jahren. So wurden zum Beispiel 2017 die beiden bedeutendsten Literaturpreise Frankreichs an Romane vergeben, die in unterschiedlicher Weise die nationalsozialistische Vergangenheit zum Thema hatten: L’ordre du jour von Eric Vuillard erhielt den Prix Goncourt, La disparition de Josef Mengele von Olivier Guez den Prix Renaudot. Auch in anderen Medien hat das Thema ebenso Konjunktur wie in der wissenschaftlichen Bearbeitung. Auffallend ist dabei, dass sich mit wachsender zeitlicher Distanz die gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Perspektiven ebenso verändern wie die Formen und Modalitäten der Auseinandersetzung. Diese Perspektiven sind in ihrer Vielfalt und in ihrer jeweiligen Schwerpunktsetzung aufschlussreich für den Blick, den Frankreich auf Deutschland aber auch auf sich selbst und seine eigene Vergangenheit wirft. Interessant ist dabei zudem, wie und warum insbesondere eine jüngere Generation diesen Themenbereich in den Blick nimmt.

Im Zentrum der Ringvorlesung stehen unterschiedliche Formen der vielschichtigen Auseinandersetzung in der Gegenwart mit dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieges und die Frage nach ihren Bedeutungen und Folgen. Die gleichermaßen transnationale wie interdisziplinäre Sicht vermittelt ein facettenreiches Panorama: Aktuelle Forschungsfragen in der Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kunstwissenschaft und Medienwissenschaft werden diskutiert und um Autor*innenlesungen und Filmvorführungen ergänzt, die einen unmittelbaren Einblick auf die zeitgenössische kulturelle Praxis ermöglichen.

Die Ringvorlesung wird mittwochs von 18.15 bis 20.00 Uhr an der Freien Universität Berlin im Wintersemester (14.10.-15.2.) stattfinden.

 

Ill.: Auschwitz, Quelle

Olivier Guez, La Disparition de Josef Mengele

Mengeles Verschwinden: Olivier Guez an der Schwelle der Zeitzeugenschaft

Kai Nonnenmacher

Artikel online

Kai Nonnenmacher, „Mengeles Verschwinden: Olivier Guez an der Schwelle der Zeitzeugenschaft“, in Engagement und Diversität: Frank-Rutger Hausmann zum 75. Geburtstag, hrsg. von Wolfgang Asholt, Ursula Bähler, Bernhard Hurch, Henning Krauß und Kai Nonnenmacher, Romanische Studien: Beihefte 4 (München: Akademische Verlagsgemeinschaft München, 2018), 520 Seiten, ISBN 978-3-95477-083-0, € 34,80.

Gedruckt lieferbar beim Verlag, digital online im Open Access

Artikel über Olivier Guez, La Disparition de Josef Mengele: roman (Paris: Grasset, 2017) [zit. als JM]; dt. Das Verschwinden des Josef Mengele, übers. Nicola Denis (Berlin: Aufbau, 2018).

Abstract

Olivier Guez, Das Verschwinden des Josef Mengele, Aufbau-Verlag, 2018

Der Arzt im Konzentrationslager Auschwitz, Josef Mengele, wurde eine der paradigmatischen Verkörperungen des Holocaust-Schreckens und ist wiederholt in fiktionalen Werken thematisiert worden. Der Beitrag fragt anlässlich des Erscheinens des mit dem Prix Renaudot 2017 ausgezeichneten Romans La Disparition de Josef Mengele von Olivier Guez nach dem Verhältnis von Quelle und Erinnerung in einer Zeit der ‚letzten Zeugen‘ des Nationalsozialismus. Erinnerungsliteratur, Dokufiktion und Geschichtsroman entwickeln zeitspezifische Modelle des Umgangs mit den Traumata des Holocaust.

 

Ill.: Blog zum frz. Buch